Läufigkeit & Zyklus der Hündin verstehen
Wer züchten will, muss den Zyklus der Hündin lesen können wie ein offenes Buch. Die Läufigkeit verläuft in klar unterscheidbaren Phasen — und nur in einem kurzen, individuell verschobenen Fenster ist die Hündin tatsächlich fruchtbar. Dieser Ratgeber erklärt die vier Zyklusphasen, ihre Anzeichen, den Ablauf über das Hundeleben und was das konkret für die Deckplanung bedeutet.
Die vier Phasen des Zyklus im Detail
Der Sexualzyklus der Hündin gliedert sich in vier Abschnitte, die fließend ineinander übergehen. Jede Phase hat ihre eigenen hormonellen und körperlichen Merkmale:
- ✓Proöstrus (Vorbrunst, ca. 9 Tage, individuell 3–17): blutiger Ausfluss, deutlich geschwollene Vulva, Rüden interessieren sich — die Hündin lässt aber noch nicht zu.
- ✓Östrus (Brunst/Standhitze, ca. 9 Tage): der Ausfluss wird heller (fleischwasserfarben), die Vulva weicher, die Hündin ist deckbereit. Der Eisprung fällt in diese Phase.
- ✓Metöstrus (Nachbrunst, ca. 2–3 Monate): der Körper stellt sich hormonell auf eine mögliche Trächtigkeit ein — auch ganz ohne Deckung. In dieser Phase kann eine Scheinträchtigkeit auftreten.
- ✓Anöstrus (Ruhephase, mehrere Monate): hormonelle Ruhe bis zur nächsten Läufigkeit; die Gebärmutter regeneriert sich.
Wann genau ist die Hündin fruchtbar?
Der fruchtbare Zeitraum liegt im Östrus, meist einige Tage nach Beginn der Standhitze — rund um den Eisprung. Weil sich der Eisprung von Hündin zu Hündin und von Zyklus zu Zyklus um mehrere Tage verschiebt, lässt er sich nicht zuverlässig am Kalender festmachen. Der Progesterontest beim Tierarzt schafft hier Klarheit und ist der einzige verlässliche Weg, das Fenster genau zu treffen.
Äußere Anzeichen der Standhitze
Die Hündin dreht bei Berührung der Rutenwurzel die Rute zur Seite (sogenanntes „Flaggen"), der Ausfluss wird heller, die Vulva weicher und weniger prall. Diese Zeichen sind nützliche Hinweise — für die eigentliche Deckplanung bleibt die Progesteronmessung aber der Goldstandard.
Rhythmus über das Hundeleben
Die meisten Hündinnen werden etwa zweimal jährlich läufig. Kleine Rassen sind teils häufiger dran, große und einige ursprüngliche Rassen deutlich seltener (manche nur einmal im Jahr). Eine junge Hündin braucht oft ein bis zwei Zyklen, bis sich ein Rhythmus einspielt.
Im Alter werden die Abstände größer, doch anders als beim Menschen gibt es keine echte „Menopause": Auch ältere Hündinnen werden weiterhin läufig. Auffällige Veränderungen — sehr unregelmäßige Abstände, ausbleibende Läufigkeit, ungewöhnlicher oder eitriger Ausfluss — gehören immer tierärztlich abgeklärt (Stichwort Gebärmutterentzündung).
Besonderheiten: stille & verlängerte Läufigkeit
Manche Hündinnen zeigen eine „stille Läufigkeit" mit kaum sichtbaren Anzeichen — der Eisprung findet trotzdem statt. Andere haben verlängerte oder geteilte Läufigkeiten. Gerade in solchen Fällen ist die tierärztliche Zyklusdiagnostik unverzichtbar, um den richtigen Zeitpunkt nicht zu verpassen.
Was du über mehrere Zyklen dokumentieren solltest
Zucht lebt von Daten. Wer den individuellen Zyklus seiner Hündin über mehrere Läufigkeiten kennt, plant die spätere Deckung deutlich sicherer:
- ✓Beginn jeder Läufigkeit (erster Blutstropfen) und die jeweilige Dauer.
- ✓Beobachtungen zu Ausfluss, Verhalten, Vulva und Duldung.
- ✓Progesteronwerte, falls gemessen, mit Datum.
- ✓Deckzeitpunkte und Trächtigkeitsergebnisse früherer Zyklen als Erfahrungswert.
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